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Falsches zu Nahost richtig gestellt

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Hamas bekämpft Einseitigkeit der Medien

HonestReporting.com Media Backspin, 5. Juni 2006

Bewaffnete der Hamas randalierten heute [5.6.2006] in einem Fernsehsender in Khan Junis. Reuters erklärt, warum:

Es war der erste solche bewaffnete übergriff auf das offizielle Fernseh-Netzwerk in den Palästinensergebieten seit die Hamas, eine militant islamische Gruppe, im März eine Regierung formte, nachdem sie die Fatah in den Wahlen vom Januar besiegte...

Die Bewaffneten schossen in die Sende-Anlagen, Computer und einen Transmitter, der Berichte aus Khan Junis zu einem Studio in Gaza Stadt übermittelte. Sie riefen, dass das palästinensische Fernsehen die Wahrheit verdrehe und dass seine Berichterstattung einen Färbung zu Gunsten der Fatah habe.

So sieht anscheinend effiziente Konfliktlösung aus!

Garlasco und Annan geben IDF-Untersuchung Recht

Honestreporting.com MediaBackspin, 20. Juni 2006

Human Rights Watch und Mark Garlasco kamen aus einem Treffen mit Vertretern des israelischen Militärs und gaben zu, dass die israelische Artillerie nicht für die Tragödie am Strand von Gaza verantwortlich sein kann. Die Jerusalem Post schreibt:

Am Montag traf sich Generalmajor Meir Klifi – Chef der militärischen Untersuchungskommission, die die Verantwortung der IDF für die Explosion widerlegte – mit Marc Garlasco, Militärexperte von HRW, der letzte Woche behauptete, die Explosion sei durch eine israelische Artilleriegranate verursacht worden. Nach dem dreistündigen Treffen, das beide Seiten als freundlich und angenehm bezeichneten, pries Garlaso die professionelle Untersuchung der Explosion durch die IDF; es ist am wahrscheinlichsten, dass sie durch einen israelischen Blindgänger verursacht wurde, der am Strand liegen gelassen wurde – eine Möglichkeit, die auch von Klifi und seinem Team in Betracht gezogen wird...

Garlasco sagte während des Treffens zu Klifi, wie beeindruckt er vom Prüfungs- und Auswertungssystem der IDF bezüglich ihres Artilleriefeuers in den Gazastreifen sei. Anders als die Hamas, die ausdrücklich Zivilisten mit ihren Raketenangriffen treffen will, sagte er, investierten die Israelis viel in die Bemühungen keine unschuldigen Zivilisten zu Schaden zu bringen.

Und nach Angaben von Ynet News zog UNO-Generalsekretär Kofi Annan frühere Bemerkungen zurück; er sagte, er sei ein Opfer der Berichterstattung der Medien geworden:

Nach einem Treffen mit Israels UNO-Botschafter Danny Gillerman sagte er Reportern, dass er auf „Medienspekulationen“ geantwortet hätte.

Wir hoffen, die Medien, die Garlascos ursprüngliche Vorwürfe zitierten, werden genauso herausragend über diese Entwicklung berichten.

Die fruchtbaren Rekrutierungsfelder des globalen Jihad

Honestreporting.com’s MediaBackspin, 22. Juni 2006

Der US News & World Report beschreibt, wie palästinensische Flüchtlingslager im Libanon wie Ain al-Hilweh sich als fruchtbare Rekrutierungsfelder für den globalen Jihad erweisen:

Die libanesische Armee kann das Gebiet aber nicht betreten, weil stark bewaffnete palästinensische Milizen der Fatah, der rivalisierenden Hamas und verschiedener islamistischer Gruppen die Straßen beherrschen und es regelmäßig Zusammenstöße mit Schusswechseln gibt. Die Armee hatte ein benachbartes Viertel bewaffneten Gruppen überlassen müssen, die hauptsächlich aus radikalen Islamisten bestehen, von denen man annimmt, dass sie auf der Linie von Al-Qaida liegen: Judn al-Sham (Armee Großsyriens), eine hauptsächlich libanesische Gruppe, die aus Veteranen des Kriegs gegen Sowjets in Afghanistan entstand, und Asbat al-Ansar (Partisanenliga), die hauptsächlich aus Palästinensern besteht.

In jedem palästinensischen Lager oder Stadtviertel sind die Mauern mit Postern zugeklebt, die „Märtyrer“ des Kampfes gegen Israel zeigen. Aber im Viertel der Asbat ist auch das Schlachtfeld im Irak anzutreffen: Die Hauptstraße wurde umbenannt in „Märtyrer von Fallujah“ und die Zeichen glorifzieren Männer, die an der Seite von Zarqawi oder bei Selbstmordangriffen auf US-Soldaten oder irakische Schiiten getötet wurden.

Ein libanesisches Mitglied der Jund al-Sham sagte, dass diese Gruppen insoweit mit Al-Qaida zusammenarbeiten, als sie deren Weltsicht des Salafismus oder der Rückkehr zu den grundsätzlichsten Prinzipien des Islam teilen, ebenso die Notwendigkeit des Jihad zur Befreiung muslimischen Landes von ungläubigen Besatzern.

Wird nicht Ain al-Hilweh von der UNRWA verwaltet?

Die Geschichte des Videobandes

Honestreporting MediaBackspin, Montag, 26. Juni 2006

Die palästinensische Nachrichtenagentur Ramatan überlegt die Süddeutsche Zeitung zu verklagen, die die Glaubwürdigkeit der nach der Tragödie am Strand von Gaza gemachten Videoaufnahmen in Frage stellte. Haaretz schreibt:

Mohammed Salman, Abu Arabids Boss, überlegt die deutsche Zeitung zu verklagen.

“Hätte ein Auslandsreporter die Bilder gemacht, hätte niemand Zweifel gehabt. Weil wir palästinensische Journalisten sind, behaupten sie sofort, wir hätten das gestellt“, sagte Salman und fügte hinzu: „Wie kann man solchen Schrecken stellen?“

Uns ist keine Antwort der Süddeutschen Zeitung bekannt. Salman könnte da Recht haben; aber nachdem die Palästinenser mit Videobändern von Mohammed al-Dura auftrumpften (gefilmt von Talal Abu Rahma, einem für France 2 arbeitenden Stringer), ist es absolut vernünftig die Glaubwürdigkeit anderer Bilder ebenfalls zu hinterfragen. Immerhin haben die Palästinenser auch das Recht israelische Bilder in Zweifel zu ziehen.

Anmerkung heplev: Die Süddeutsche (die ich ja nun überhaupt nicht mag, es tut weh, sie verteidigen zu müssen) hat nicht den Inhalt des Videos in Zweifel gezogen, sondern alles, was darum herum behauptet wurde. Der Kameramann hatte z.B. seltsame und unglaubwürdige Aussagen darüber gemacht, warum er das Mädchen so lange filmte, statt ihr zu helfen – damit sind nicht die Bilder in Frage gestellt, sondern die Glaubwürdigkeit des Filmenden und seiner Angaben.

Vergeltung wofür?

HonestReporting Backspin, 26. Juni 2006

Nach Angaben von Ynet News berichtet die Londoner Zeitung Al-Hayat, dass Jamal Abu Smahadan persönlich den Angriff auf Kerem Shalom plante, bevor er durch einen israelischen Luftangriff am 8. Juni starb. Die New York Times stellt heraus:

Israelische Offizielle sagten am Sonntag, dass der Tunnel, der sich über eine Länge von mehr als 550m aus dem Gazastreifen erstreckt und hinter den israelischen Linien ans Tageslicht kommt innerhalb vieler Wochen, wenn nicht Monate gegraben wurde.

Palästinensische Behauptungen, dass der Angriff auf Kerem Shalom den Tod Samhadanas rächt, sind nicht stichhaltig. Und angesichts der zeitintensiven Aufgabe vor der Tragödie vom 9. Juni am Strand von Gaza einen Tunnel zu graben, müssen wir uns auch über diese empörende Schlagzeile aus The Age aus Melbourne:

Palästinenser schlagen wegen ziviler Opfer zurück

Kollateralschäden im Wartestand

Honestreporting.com Media BackSpin, 28. Juni 2006

Wenn diesen Kindern etwas passiert, wer – glauben Sie – wird dann dafür verantwortlich gemacht?


Militante der Hamas platzieren am 27. Juni 2006 einen Sprengkörper in Vorbereitung auf eine mögliche Operation der israelischen Armee im Gazastreifen.
(REUTERS/Ahmed Jadallah in den Palästinensergebieten)

Zu viele Führungsriegen, zu viele Waffen

honestreporting.com Media BackSpin, 28. Juni 2006

Eine Analyse in der Jerusalem Post zeigt die Spaltung in der Hamas auf, die durch die Entführung von Unteroffizier Gilad Shalit aufgedeckt wurde. Bewaffnete der Hamas gehorchen Khaled Meshaal und der in Syrien sitzenden Führung und nicht Premierminister Ismail Haniye und der Führung in Gaza. Sind wir Zeugen von etwas, das Mahmud Abbas evtl. als „Drei Führungsriegen, drei Gesetze und drei Gewehre“ nennen könnte?

Wenn schon, dann fügen wir der Mischung noch zwei „Führungsriegen“ und Gewehre zu. WorldNetDaily berichtet, dass Syrien und der Iran Meschaal unter Druck setzen Shalit nicht freizulassen.