Medien BackSpin

Falsches zu Nahost richtig gestellt

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Bürgerkrieg der Gereizten

honestreporting.com Media BackSpin, 3. Oktober 2006

Die Schlagzeilen des Wochenendes wurden vom Bürgerkrieg in Gaza beherrscht. Die Jerusalem Post berichtet von Straßenkämpfen mit Drohungen der Al Aksa-Märtyrerbrigaden, sie würden Hamas-Führer töten. Obwohl es noch zu früh ist, um sagen zu köennen, ob die westlichen Medien die Kollateralschäden an Kindern beklagen werden, bot der Daily Telegraph einen alternativen Dreh zur Erklärung der Gewalt an, die bisher neun Tote und Dutzende Verletzte forderte:

Die Spannungen wurden durch die strikten Regelungen des muslimischen heiligen Monats Ramadan verstärkt, den die Palästinenser mit strengem Fasten während der Tagesstunden einhalten, was viele Menschen besonders gereizt sein lässt.

Gereizt sein?
(Hier noch der Link zur Bedeutung des im Original verwendeten tetchy.)

"Der Augenblick der Wahrheit"

honestreporting.com Media BackSpin, 4. Oktober

Nach Angaben von Ynet News sammelt die Hamas Waffen für einen Showdown mit der Fatah in der Westbank:

Hamas-Offizielle sagten Ynet, dass Hunderte Schnellfeuergewehre in die Westbank geschmuggelt wurden, um die militärische Präsenz der Gruppe dort zu verstärken...

Bemühungen zur Wiederbewaffnung werden von Damaskus aus durch Hamas-Politbürochef Khaled Maschaal gesteuert, der glaubt, dass die Gruppe für „den Augenblick der Wahrheit“ vorbereitet sein sollte, falls Präsident Abbas es wage, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen.

Wie bitte?

honestreporting.com Media BackSpin, 3. Oktober 2006

Diese in sich widersprüchliche Schlagzeile deutet darauf hin, dass die BBC ein ganz klein wenig vom palästinensischen Bürgerkrieg durcheinander gebracht ist:

Militants threaten Hamas leaders
(Militante bedrohen Hamasführer)

Blog-Pause

Honestreporting.com Media BackSpin macht während der Woche des Laubhüttenfestes Pause. Also gibt es in der Zeit vor dem 15. Oktober auch nichts zu übersetzen.


Allen jüdischen Lesern ein herzliches „Chag Sameach“!

Freie Information oder informationsfrei?

honestreporting.com Media BackSpin, 15. Oktober 2006

Warum gibt die BBC Tausende Pfund Lizenzgebühren aus, um die Veröffentlichung des Balen-Reports zu blockieren? Dabei handelt es sich um ein internes Dokument, das die Berichterstattung des Nachrichtendienstes zum Nahen Osten untersuchte. Der Sunday Telegraph schreibt:

Die Gesellschaft setzt unglaubliche Aktivität beim Obersten Gerichtshof in Gang, um die Veröffentlichung des Balen-Report nach dem Freedom of Information-Gesetz zu verhindern, obwohl BBC-Reporter dieses Gesetz benutzen, um ihrer Arbeit als Journalisten nachzugehen.

Das Vorgehen wird den Verdacht verstärken, dass der Bericht, von dem man glaubt, dass er bis zu 20.000 Worte lang ist, Belege für antiisraelische Einseitigkeit im Nachrichtenprogramm der BBC beinhaltet.

Die Anfrage von HonestReporting.com nach einem Exemplar des Berichts im Rahmen des Freedom of Information-Gesetzes wurde abgelehnt. Die BBC schrieb uns und anderen Interessierten:

Die Überprüfung wurde 2004 von Malcolm Balen geschrieben, einem hochrangigen BBC-Journalisten. Sein Bericht wird derzeit von Redakteuren bei BBC News dafür genutzt, um über die Berichterstattung zum Nahen Osten zu informieren. Aus unserer Sicht fällt dieses Dokument nicht unter das Gesetz, denn die BBC hat dieses Dokument und andere Überprüfungen des Outputs aus Gründen des „Journalismus, der Kunst oder Literatur“ in ihrem Besitz. Anhang 1 des Gesetzes sieht vor, dass es nur für Informationen gilt, die man aus anderen Gründen besitzt.

Wenigstens einer der Mitarbeiter der BBC sprach das Rätsel etwas offener an. Martin Rosenbaum von Open Secrets (einem Blog zu Fragen des „Freedom of Information“) schreibt:

Aus Sicht des FOI ist interessant, dass dies die neueste einer Serie von Gerichtsentscheidungen ist, die den Information Commissioner dahin gehend überstimmt hat, dass eher die Veröffentlichung von Informationen bevorzugt wird. Dieses Muster wurde nicht unbedingt erwartet, bevor das FOI in Kraft trat; man sagte im Allgemeinen, dass es umgekehrt sein würde.

Jetzt, wo man anfängt mich zu fragen, ob ich ein funktioneller oder ein strategischer Journalist bin, habe ich mich entschlossen auf Nummer Sicher zu gehen und einfach nur verwirrt dreinzuschauen. Das scheint bisher zu funktionieren.

Aus der Vogelperspektive

honestreporting.com Media BackSpin, 16. Oktober 2006

Size Of Israel ist eine neue Internetseite, die der Größe und strategischen Tiefe des Landes eine angemessene Perspektive gibt. Der Start der Seite passt prächtig zu Ross Culiners Bericht über einen erhellenden Hubschrauberflug über Israel.

Schwarz-Weiß-Agenda gegen Israel

honestreporting.com Media BackSpin, 16. Oktober 2006

Die South African Broadcasting Corp. steckt wegen der Aufdeckung einer schwarzen Liste in Schwierigkeiten. Diese listet Reporter, Kommentatoren und Analysten auf, die nicht mehr in den Nachrichtenprogrammen des Senders auftauchen sollen. Der Mail & Guardian bekam eine Kopie eines internen SABC-Berichts zu dieser schwarzen Liste in die Hände und stellte sie ins Internet. Zu den gebannten Persönlichkeiten gehört auch Paula Slier, eine freie Journalistin, die wegen ihrer Berichterstattung über Israel auf die Liste kam.

SABC-Nachrichtenchef MD Dr. Snuki Zikalala wirft Slier vor im Nahostkonflikt „parteiisch“ zu sein und tat sie als „weißes, jüdisches Mädchen“ ab. Die schwarze Liste führt detailliert Zikalalas Anweisungen zur Ächtung von Slier:

5.38 De Zikalala ließ sich umfangreich darüber aus, wie er Anweisungen gab, Paula Slier nicht weiter zu nutzen. Es ist wichtig, dass seine Rechtfertigung wortgetreu zitiert wird:

“Paula Slier, da gebe ich Ihnen ein Beispiel. Paula Slier, warum ich sagte, wir sollten Paula Slier nicht mehr nutzen. Was passierte ist, dass in der Zeit, als Arafat starb, als Arafat starb, arbeitete Paula Slier als Reporterin für uns und Paula Slier war weit einseitiger bezüglich der Ereignisse in Israel. Es war ein jüdischer Krieg und besonders der Nahe Osten. Wir wissen genau von ihrer Einseitigkeit, weil sie einmal einen Artikel schrieb, in dem sie die Trennung von den Palästinensern rechtfertigte, was sehr, sehr negativ uns gegenüber war.

Von der Bewegung her, der ich entstamme, unterstützen wir die PLO.
Aber sie unterstützte, was in Israel passierte. Und dann sagte ich ihnen, Paula Slier können wir in Nahost-Fragen nicht mehr nutzen, weil wir wissen, wo sie steht. Wir brauchen jemanden, der unparteiisch ist. Wir haben dort einen Korrespondenten dort, ich sagte, lasst uns den Korrespondenten nutzen... diese Person ist unparteiisch, schlägt sich nicht auf eine Seite. Paula Slier, zur Nahost-Frage können wir all die Bänder vorlegen, die sie geschrieben hat, sie stellt sich auf eine Seite. Ich habe die redaktionelle Verantwortung das zu tun. Das ist der Grund, weshalb ich hier angestellt bin, um zu prüfen und auszugleichen. Ich sage nein, man kann nicht, man kann nicht den palästinensischen Kampf untergraben, das kann man nicht. Für mich ist das eine Sache des Prinzips.

Der Nachrichtenchef von SABC hat es also schwarz auf weiß festgehalten, dass
* Slier gesperrt ist, weil sie „uns gegenüber negativ“ ist.
* Wo Zikalala herkommt, „wir die PLO unterstützen“-
* SABC-Reporter „die palästinensische Sache nicht untergraben können“.

Zikalalas Agenda spricht für sich. Jeder Nachrichtenchef mit einer solchen Einseitigkeit gegen Israel ist genauso in der Lage andere Bereiche der Berichterstattung zu verzerren, wie der Mail & Guardian aufgedeckt hat.

(Hat tip: It’s Almost Supernatural)

Markennamen des Terrors

honestreporting.com Media BackSpin, 17. Oktober 2006
Die Terroristen vom Islamischen Jihad hat einen neuen Weg gefunden, um sicherzustellen, dass sie die „Lorbeeren“ für ihre Raketenangriffe auf Israel ernten: Sie beschriften ihre Raketen auf Hebräisch. Reuters erklärt:

Ein Montag aufgenommenes Reuters-Foto zeigte einen israelischen Polizisten, der die Überbleibsel einer vom Gazastreifen auf das südliche Israel gefeuerten Rakete aufhebt; auf dieser befanden sich hebräische Schriftzeichen, die sie als eine Al-Quds 3 kennzeichneten, einer Rakete, die Militante des Islamischen Jihad bauen.

Abu Abdullah, Sprecher des bewaffneten Arms des Islamischen Jihad, sagte, die hebräische Beschriftung sollte sowohl den Israelis drohen, als auch „unsere Raketen von denen anderer Parteien unterscheidbar machen“, z. B. von denen der Hamas, die besser bekannt sind.

Der Islamische Jihad ist nicht die einzige palästinensische Gruppe, die ihre Waffen auf Hebräisch kennzeichnen, um der Hamas Konkurrenz zu machen. Die Al Aksa-Märtyrerbrigaen, bewaffneter Arm der Fatah-Partei von Präsident Mahmud Abbas, hat auch angefangen, das zu tun.

Hier das Foto:


Ein israelischer Sprengstoffexperte hält die Überreste einer Rakete in Händen, die am 16. Oktober 2006 aus dem Gazastreifen abgeschossen wurde und nahe der südisraelischen Stadt Sderot einschlug. Die große Konkurrenz unter den militanten Gruppen im Gazastreifen hat eigenartige Formen angenommen; einige Kämpfer beschriften Raketen, die sie auf Israel abfeuern, in Hebräisch um sicherzustellen, dass die Angriffe ihnen zugeschrieben werden. REUTERS/Amir Cohen (ISRAEL)

Die Terroristen markieren also ihre Raketen für den Medienkonsum. Wann kamen eigentlich an Nachrichtenagenturen gefaxte Stellungnahmen aus der Mode?

Neuer Mufti genehmigt Selbstmord-Anschläge

honestreporting.com Media BackSpin, 17. Oktober 2006

Der neue Großmufti von Jerusalem sagte gegenüber The Media Line, dass Terrorakte, einschließlich Selbstmord-Anschlälgen, legitimer Widerstand gegen Israel seien. Scheik Muhammed Ahmed Hussein (im Bild), der bisher als Moderater galt, wurde von Mahmud Abbas für den Posten ernannt. Sehen Sie sich das Video an. (auf Englisch)

“Das palästinensische Volk hat das Recht Widerstand zu leisten, bis die Besatzung beendet wird. So lange der Widerstand legitim ist, ist auch alles legitim, was damit in Verbindung steht.“

Gebeten seine Ansichten zu Selbstmord-Bombenanschlägen zu äußern, antwortete der Mufti: „Es ist natürlich legitim, so lange das eine Rolle im Widerstand spielt.“

Abbas entließ den früheren Mufti, Scheik Ikrima Sabris, im Juli, weil seine Ansichten der Hamas näher standen. Die MSM* zeigten begrenzt Interesse an Sabris provokativen Predigten. Welche Art von Überprüfung werden die westlichen Nachrichtendienste Hussein unterziehen?

* MSM = Mainstream Medien

Spiele für die Kamera

honestreporting.com Media BackSpin, 17. Oktober 2006

Als würden die künstlichen Meinungsverschiedenheiten bei den Protesten am Zaun von Bil’in nicht genug nerven, befindet sich jetzt ein Kameramann von Reuters im Gefängnis, weil er palästinensische Steinewerfer ermutigte und dirigierte. Israel National News erklärt:

Am Dienstag wurde ein Kameramann von Reuters wegen seiner Rolle bei Steinwurf-Attacken auf Sicherheitskräfte in Bil’in bis zur Verhandlung in Untersuchungshaft genommen. In Bil’in ist der Trennzaun ständiges Ziel von Protestlern.

Der Kameramann Imad Mohammed Intisar Boghnat wurde verhaftet und infolge der gewalttätigen Krawalle im arabischen Dorf Bil’in in der Gegend von Mod’in am 6. Oktober 2006 angeklagt. Ein Video, das die Staatsanwaltschaft dem Richter vorlegte, zeigt Boghnat, wie er Aufrührer in Bil’in dazu ermutigt große Felsbrocken auf israelische Fahrzeuge zu werden und sie dabei so dirigiert, dass sie größtmögliche Schäden anrichten. Man konnte den Beschuldigten rufen hören: „Werft, werft!“, und später: „Auf das kleine Fenster!“

Die Protestler in Bil’in wissen das eine oder andere darüber, wie man für die Kamera spielt.

(Hat tip: National Review Media Blog)