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Falsches zu Nahost richtig gestellt

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"Selbstverständlich"

honestreporting.com Media BackSpin, 31. März 2007

Der palästinensische Finanzminister Salam Fayyad [Abbildung] bekam Gelegenheit für einen Gastbeitrag bei der LA Times. Wie kann er das schreiben und dabei noch ernst bleiben?

"Weil das politische Programm der Hamas sich nicht an die Kernssätze des Friedensprozesses hielt, einschließlich die palästinensische Anerkennung des Existenzrechtes Israels und die Verpflichtung, der Gewalt abzuschwören, hat die internationale Gemeinschaft gegen die PA Sanktionen verhängt.

Obwohl viele der Gespräche, die zur Bildung einer Einheitsregierung führten, sich auf diese zwei Verpflichtungen konzentriert hatten, sollte ihre Gültigkeit nicht viel hinterfragt werden. Schließlich wurden diese Verpflichtungen von der Palästinensischen Befreiungsorganisation, der legitimen Vertretung des palästinensischen Volkes, 1993 in einer glasklaren und verbindlichen Vereinbarung eingegangen, und keine palästinensische Regierung hat das Recht, sie zu widerrufen.

In der Tat erklärt das Programm der Einheitsregierung ausdrücklich, dass es alle PLO-Vereinbarungen anerkennen wird, die selbstverständlich diese zwei Verpflichtungen beinhalten."

"Selbstverständlich?" Fayyad sollte besser wissen.

1. Ein Blick auf das Regierungsprogramm der PA-Einheitsregierung widerspricht Fayyads Behauptung. Details können Sie hier nachlesen.

2. Abbas' Primäraufgabe, wie von der Roadmap gefordert, war die Auflösung der Infrastruktur des Terrors. Stattdessen bat Abbas die Hamas, eine Regierung zu bilden.

3. Die PLO ist nicht der "alleinige Repräsentant" des palästinensischen Volkes. Die überwältigende Mehrheit der Palästinenser wählte die Hamas - die sich niemals mit der mehr säkularen PLO verbündete. Selbst in den Jahren vor Oslo geriet die in Tunesien residierende PLO fast in Vergessenheit, während Israel es mit den Palästinensern vor Ort zu tun hatte.

4. Mahmoud Abbas' Legitimität entstammt seiner Position als allgemein gewähltem Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde. Zum PLO-Vorsitzenden wurde er lediglich von Kadern der Mitgliederorganisationen gewählt, nachdem Yasser Arafat starb. Die Palästinenser brauchen Demokratie und sie müssen auch mit den Konsequenzen ihrer Wahl leben. Die PA ist der demokratische und legitimierte Repräsentant der Palästinenser, die die Hamas gewählt haben - ungeschminkt.

Webnews

Gedanken zu Pessach

honestreporting.com Media BackSpin, 1. April 2007

Während wir uns dem Fest der Freiheit nähern, sind unsere Herzen bei Gilad Shalit, Ehud Goldwasser, Eldad Regev, Zachary Baumel, Tzvi Feldman, Yehudah Katz, Ron Arad, Guy Hever und bei ihren von Schmerz geplagten Familien.

Die acht Soldaten opferten ihre Freiheit, um unsere zu schützen.

Wir hoffen und beten für ihr Wohlergehen.

Mögen die verschleppten Soldaten das Pessach-Fest "Nächstes Jahr in Jerusalem" feiern.

Media BackSpin bloggt wieder ab 10. April. All unseren Lesern ein glückliches Pessach- und Osterfest.

Inszeniertes Kidnapping?

honestreporting.com Media BackSpin, 10. April 2007

In Israel kursieren Informationen über einen arabischen Medienbericht, dass Alan Johnston seine eigene Entführung inszeniert hatte. YNet News berichtet:

Der Bericht zitierte eine palästinensische Quelle, die sagte, dass Johnston Nachricht von seiner bevorstehenden Kündigung durch den Rundfunksender erhielt und daraufhin seine Entführung vortäuschte, um seinen Job nicht zu verlieren. Aber eine BBC-Quelle erklärte Ynet gegenüber, dass Johnston nicht mit seiner Entlassung konfrontiert war.

Im Bericht heißt es auch, dass Johnston gesehen wurde, wie er am Tag der Entführung etwa 15 Minuten auf seine Kidnapper wartete, bevor sie ihn an einen geheim gehaltenen Ort geleiteten.

Hmmmmm.

Webnews

Schlagzeilengeschepper

honestreporting.com Media BackSpin, 10. April 2007

Wie kann dasselbe Ereignis solch radikal unterschiedliche Schlagzeilen erzeugen?

NY Times:

Israel feuert auf Militante, die eine Bombe legen wollten, und tötet einen von ihnen

BBC:

Israel feuert Raketen auf Gaza ab

"Diese Ängste waren unbegründet"

honestreporting.com Media BackSpin, 10. April 2007

Der kanadische Journalist Andrew Mills macht uns sprachlos. In einer Meldung aus der christlichen Stadt Taybeh in der West Bank schreibt er im Toronto Star:

"Nach den Wahlen im letzten Jahr, als die Hamas die Kontrolle über die Palästinensische Autonomiebehörde von der früher fest im Sattel sitzenden Fatah-Partei übernahm, fürchteten viele Christen, dass die radikalen Islamisten ihnen wenig Raum lassen würden, besonders da die meisten Christen ein Friedensabkommen mit Israel unterstützen.

Aber diese Ängste haben sich in Taybeh oder sonst wo in den Gebieten nicht bewahrheitet."

Christen sind konfrontiert mit muslimischer Einschüchterung, politischer Isolation, rücksichtslosem Vorgehen und schleichendem Fundamentalismus.

Von welcher West Bank hat Mills berichtet?

Webnews

Druckmittel

honestreporting.com Media BackSpin, 10. April 2007

Studieren Sie in YNet News das who’s who der Terroristen und was die Möchtegern-Mandelas der Hamas für Gilad Shalit verlangen [Englisch].

Wann ist ein Waffenstillstand ein Waffenstillstand?

honestreporting.com Media BackSpin, 10. April 2007

Indem sie auf einen vereitelten LKW-Selbstmordbombenanschlag während des Pessach-Festes in Tel Aviv Bezug nimmt, schreibt AFP:

Obwohl die islamistische Bewegung - die führende Partei in einer palästinensischen Einheitsregierung - den im November vereinbarten Waffenstillstand mit Israel weitgehend eingehalten hat, ist ihr bewaffneter Flügel an einer zunehmenden Anzahl von Angriffen auf israelische Ziele in letzter Zeit beteiligt, die Schüsse auf einen Zivilisten an der Grenze zum Gazastreifen miteinbezogen.

Vergessen Sie die 100 Kilo Sprengstoff auf dem LKW und die 19 festgenommenen Beteiligten. Waffenstillstand ist nur wenn die Hamas erfolglos bleibt.

Webnews

Frieden stiften

honestreporting.com Media BackSpin, 11. April 2007

Nach Auffassung der Jerusalem Post ist die Hamas wahrscheinlich nicht in der Lage, Gilad Shalit freizulassen:

Der Durmush-Clan war einmal eng mit der Hamas verbündet, ist aber seit kurzem mit ihr verfeindet. Die Quellen berichteten, dass es keine Sicherheit dafür gebe, dass der Clan dem in Damaskus residierenden Hamas-Führer Khaled Meshaal gehorchen würde, wenn er von ihm die Weisung erhielte, Gilad Shalit freizulassen.

Vom selben Clan wird angenommen, dass er den BBC-Reporter Alan Johnston gefangen hält. Wenn nun beide, Mahmoud Abbas und jetzt die Hamas, nicht imstande sind, eine Geiselnahme zu beenden, geschweige denn irgendeine Art von Frieden zu stiften, ist dann für Israel der Zeitpunkt gekommen, dass es sich nach Friedenspartnern unter den Clanführern der einzelnen Dörfer umsieht?

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Die zwei Gesichter der Hamas

honestreporting.com Media BackSpin, 11. April 2007

Hervorragender AP-Beitrag über den Widerspruch innerhalb der Hamas zwischen dem Versuch, ihre radikal-ideologische Linie gegenüber den Palästinensern durchzuziehen und der gleichzeitigen Anstrengung, dem Rest der Welt ein gemäßigtes Gesicht zu präsentieren. Ein Must-Read.

"Show abziehen für die Kamera"

honestreporting.com Media BackSpin, 11. April 2007

Ein palästinensischer Jugendlicher, der in Hebron eine Show für die Medien abzieht, wird von der IDF verhaftet.

Rod Liddle vom britischen Cannel 4 fühlt sich dafür verantwortlich. Im The Spectator schreibt er:

"Was diesmal geschah war folgendes:

Ohne Zweifel ermutigt durch unsere Kamera überquert ein palästinensischer Jugendlicher - 15 Jahre alt - eine Sicherheitslinie, die er nicht überschreiten darf. Er geht ein wenig näher auf das Haus zu als er sollte. Die Kameras laufen. Die Soldaten umringen ihn und erklären ihm, dass er die Fliege machen solle, zurück zu seinem Zelt. Er weigert sich. Er sagt großmäulig und theatralisch auf Arabisch etwas wie, dass er nicht daran denkt, sich zu entfernen, und fügt dann möglicherweise einige obszöne Bemerkungen gegenüber einem der Soldaten hinzu - einem Israeli arabischer Abstammung (jedermann wird Ihnen sagen, dass die Schlimmsten in der IDF die Drusen sind). Postwendend wurde er hart in den Unterleib getreten, in den Magen geschlagen und ins Heck eines Transportwagens verfrachtet.

In der Weltbestenliste der Grausamkeiten ist dies ein Klacks - und für Film-Teams, die es gewohnt sind, in Spannungsgebieten und an gefährlichen Orten auf der Welt zu arbeiten, ein vertrautes und möglicherweise kleineres ethisches Problem. Der israelische Soldat hatte Recht, seiner Schlussfolgerung nach: Wenn wir nicht dort gewesen wären, hätte sich das so nicht abgespielt. Wenn du es konstruierst kommen sie, usw.

Der Junge zog eine Show für die Kameras ab und steckte dafür Prügel ein. Wenn wir - oder einige andere Fernsehaffen - nicht dort gewesen wären, hätte das nicht stattgefunden. Wir waren dort, um Unrecht zu bezeugen; und auch, um es im Interesse der zusehenden Öffentlichkeit zu verschärfen."

Liddle beschreibt sogar seinen Dialog mit dem beteiligten Soldaten:

"Ich versuchte ihm zu erklären, dass es nicht meine Absicht war, dass der Jugendliche durchdreht und im Polizeitransportwagen landet -; das ist Journalismus und er muss so praktiziert werden, dass die Welt sieht, was vor sich geht und sie sich ihre eigene Meinung bildet.

„Ja“, nickte er, „das ist, was Sie tun, nicht wahr? Und das ist, was ich tue.“

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