Medien BackSpin

Falsches zu Nahost richtig gestellt

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Kurze Trauer

honestreporting.com Media BackSpin, 1. September 2007


Unsere kanadische Schwester-Site Headlines & Deadlines befasste sich mit dem Problem, wie die Zeitungen Meldungen von Nachrichtenagenturen als Zusammenstellung von Kurzberichten für sich umformulieren:

"Die Toronto Sun* [Logo] berichtete heute, dass 'eine Detonation in Gaza drei palästinensische Kinder tötete'.

Der nur 34 Worte umfassende Bericht erwähnte, dass man die Quelle dem Einsatzbefehl eines 'Israelischen Panzers' zuschrieb.

Der Bericht verschweigt jedoch, dass palästinensische Terrororganisationen zynischen Gebrauch von Kindern machen, indem sie diese an Stellen schicken, wo Raketenabschussrampen liegen, um dort Waffen einzusammeln - und dass sie die Kinder bewusst in Gefahr an Orte bringen, die nach Raketensalven von eben diesen Orten ins Visier der Israeli Defense Force geraten."

Vergleichen Sie bitte zum Vorfall die Kurzfassung der Sun mit der von The Scotsman.
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*Bitte nach unten scrollen - zu “GAZA BLAST KILLS 3 PALESTINIAN CHILDREN“.

Wie belanglos ist die Rhetorik?

honestreporting.com Media BackSpin, 3. September 2007

Ray Takeyh von CAIR* bekam von der Boston Globe Raum für einen Gastkommentar, in dem er behauptete, dass Mahmoud Ahmadinejads Aufrufe, „Israel von der Landkarte zu löschen“, nicht mehr als Schulhofprahlerei seien:

"Was in den Hauptstädten weltweit die größte Alarmstimmung verursacht sind seine wiederholten Aufrufe, Israels solle 'von der Landkarte gelöscht' werden. Trotz der Leugnung iranischer Diplomaten ist diese Brandstifterrhetorik - oft in der Nähe des Antisemitismus - die Hauptstütze in der Sprache des theokratischen Regimes gewesen. Jedoch verbirgt solche Rhetorik mehr als sie enthüllt. Teheran will die Ausrottung Israels nicht, betrachtet aber solche Slogans als Mittel, Beifall von der arabischen Straße zu bekommen. Es ist die Tragödie im Nahen und Mittleren Osten heute, dass solch widerwärtige Rhetorik den Pfad zu politischer Popularität ebnet.

Ahmadinejads Präsidentschaft hat in der Tat einen messbaren Einfluss auf das Leben in der islamischen Republik gehabt. Ein übermäßig argwöhnisches Regime ist damit beschäftigt gewesen, Nichtregierungsorganisationen aufzulösen, Bürgerrechtsgruppen zu unterdrücken und Amerikaner iranischer Abstammung aufgrund konstruierter Spionagevorwürfe zu inhaftieren. Die außenpolitischen Ziele des Iran haben sich im Kern jedoch nicht verändert - trotz Ahmadinejads Machtgewinn und seines paranoiden Politikstils.

Takeyh irrt in zwei Punkten.

• Rhetorik allein erklärt nicht, warum jeder iranische Führer seit Khomeini Stellvertreter wie die Hisbollah und andere gegen Israel und den Westen in Stellung gebracht hat.

• Warum glaubt Takeyh, dass Ahmadinejad Israelis irgendwie besser behandeln wird als sein eigenes Volk?
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*Council on American-Islamic Relations

Walt & Mearsheimers Argument aufspießen

honestreporting.com Media BackSpin, 2. September 2007

Die gängige Meinung unter Kritikern, dass die "Israel Lobby“ die USA gegen den Irak aufstachelte, hat starke Risse bekommen. Ein ehemaliger Beamter des Außenministeriums berichtete Inter Press Service, dass Israel in Wirklichkeit die USA gedrängt hat, im Irak nicht einzumarschieren:

Wilkerson, damals im Außenministerium Mitglied im politischen Planungsstab und später Stabschef unter Außenminister Colin Powell, erinnerte in einem Interview mit Inter Press Service daran, dass die Israelis sofort reagiert haben, als es Anzeichen dafür gab, dass die Bush-Administration über einen Krieg gegen den Irak nachdachte. Nachdem die israelische Regierung die ersten Hinweise von dieser Absicht erhielt, so Wilkerson, „sagten uns die Israelis, dass nicht der Irak der Feind ist - der Iran ist es“.

Wilkerson schildert die israelische Note an die Bush-Administration im Jahr 2002: "Wenn Sie das Kräftegleichgewicht destabilisieren wollen, dann gegen den Hauptfeind".

In israelischen Gesprächen mit der Administration war die Warnung vor einer Invasion im Irak „eindringlich“, erinnert sich Wilkerson. Sie wurde an die Administration von zahlreichen israelischen Quellen herangetragen, darunter hochrangigen Politikern, dem Geheimdienst und Privatleuten.

Wilkerson merkt an, dass es in ihren Gesprächen nicht hauptsächlich darum ging, ob die USA den Iran sofort angreifen sollte, sondern "sie dürften vom Irak und Saddam Hussein nicht davon abgelenkt werden", dass der Fokus der Gefahr im Iran liegt.

Wie können Walt und Mearsheimer dies erklären?

Ursache und Wirkung

honestreporting.com Media BackSpin, 2. September 2007

Ein britischer Zionistenverband hat den Vortrag des Haaretz-Kolumnisten Danny Rubinstein abgesagt, nachdem dieser auf einer UN-Konferenz in Brüssel Israel einen „Apartheidstaat“ genannt hatte. Hier können Sie nachlesen wie die JTC * ihn zitiert:

„Heute ist Israel ein Apartheidstaat mit unterschiedlichem Status für verschiedene Gemeinschaften“, sagte Rubinstein Beobachtern des Ereignisses zufolge . . .
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*Jewish Telegraphic Agency

Lesen, Schreiben und Raketen

honestreporting.com Media BackSpin, 3. September 2007


Israelischen Medienberichten zufolge traf eine Rakete den Hof einer Kindertagesstätte. Insgesamt wurden 12 Menschen, darunter einige Babys, wegen Schockzuständen behandelt.

Philip Jacobsons Bericht in der Sunday Times of London handelt vom Leiden Sderots.

Wie viel schlimmer müssen die Dinge für die Mainstream-Medien noch werden bis man die Stadt auf seine Tagesordnung setzt?

Eine Intifada wohl kaum

honestreporting.com Media BackSpin, 3. September 2007

Können die letzten Proteste gegen die Hamas im Gazastreifen „Intifada“ genannt werden?

Khaled Abu Toameh schreibt in der Jerusalem Post:

Es mehren sich Anzeichen, dass die Fatah versucht, eine Intifada gegen die Hamas zu organisieren, wenn Mitglieder der Fatah im Gazastreifen versuchen, Schluss damit zu machen, was ein Kommandeur nach ihrer Niederlage gegen die Hamas im Juni mit dem Begriff 'Krise' umschrieb.

Ein Anhänger der Fatah versucht während einer Protestdemonstration nach einem Moscheebesuch Steine auf eine Sicherheitseinrichtung der Hamas zu werfen. Foto: AP

Abu Haroun, Kommandant der Abu Rish Brigaden im Gazastreifen, sagte am Wochenende, dass es lange dauern wird, bis sich die Fatah von der demütigenden Niederlage erholt.

In and out

honestreporting.com Media BackSpin, 3. September 2007

Wir sind getroffen von der Auswahl der Mainstream-Medien zum Nahen Osten an diesem Labour Day*-Wochenende. Sehen Sie, auf was sich die Medien gestürzt haben und was sie ausließen:

In: Die NY Times untersucht, wie die Palästinenser israelischen Müll entsorgen.

Out: Kassam-Rakete trifft Kindergarten in Sderot. AP war, wie wir bisher feststellten, die einzige westliche Nachrichtenagentur, die über das Verbrechen berichtete.

In: Die LA Times greift das Thema 'Israelische Pornografie für Frieden' auf. Und dies in einem Leitartikel.

Out: Die Sunday Times of London liefert eine selten genaue, detaillierte Beschreibung darüber, was die Einwohner Sderots durchmachen - mit einem Ground Zero in jeder Straße.

In: Eine Bilderreihe der BBC zum Sieg der libanesischen Armee in Nahr al-Bared. Können Sie sich die Fotoauswahl vorstellen, wenn israelische Soldaten ein palästinensisches Flüchtlingslager geleert hätten?

Out: Der Botschafter Großbritanniens in Israel hatte ein freundschaftliches Treffen mit Siedlervertretern - das erste dieser Art. Der Jerusalem Post zufolge sind weitere Treffen verabredet.
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*Tag der Arbeit in den USA

"Sie dulden keine Kritik an Israel"

honestreporting.com Media BackSpin, 4. September 2007

Nachdem wir die Gotteskrieger von Christiane Amanpour kritisch abhandelten, antwortete Kolumnist Larry Derfner uns und unseren Kollegen von CAMERA mit seiner ihm eigenen bildhaften Sprache. Derfner schrieb:

Was wollen denn CAMERA, HonestReporting.com und die anderen Verteidiger Israels noch? Ich werde es Ihnen sagen, wenn sie wollen: Sie dulden keine Kritik an Israel, wie auch immer, und das ist ihr Hauptkritikpunkt an Gotteskrieger - dass es nicht klar herausgestellt hat, dass in Israel, anders als in der islamischen Welt, religiös motivierte Terroristen die Ausnahme statt der Regel sind, dass Israel, anders als die islamische Welt, gegen seine Extremisten hart durchgreift.

DIES IST die „wild wuchernde“ Theorie, die die jüdische Rechte seit Jahrzehnten verkündet hat und die nächsten Jahrzehnte verkünden wird, während von israelischen Fanatikern weiterhin Gewalttaten begangen werden. Die „wild wuchernde“ Theorie ist die dreiste Lüge; wenn Israel ebenso unduldsam gegenüber radikaler jüdischer Gewalt wäre wie die jüdische Rechte behauptet, warum findet solche Gewalt dann noch immer statt - gegen Palästinenser, gegen israelische Soldaten, gegen linksgerichtete Demonstranten, die es wagen, sich den Siedlungen zu nähern?

Lesen Sie Simon Ploskers Replik auf Derfner:

Derfner widerspricht sich selbst durch Anerkennung der Hauptsache, die CNN nicht deutlich herausgestellt hat: dass in Israel, anders als in der islamischen Welt, religiös motivierte Terroristen eher die Ausnahme statt die Regel sind. Warum sollten Organisationen, die für Israel eintreten, CNN nicht darauf hinweisen?

Derfners Angriff findet Widerhall in den fehlerhaften pseudo-akademischen Ausführungen von Walt und Mearsheimer, die behaupten, dass ihre Stimmen von einer „Israel-Lobby“ unterdrückt werden, die jeden brandmarkt, der deutlich ausspricht, dass Israel intolerant wäre und Feind einer offenen Debatte.

Obwohl Israel sicher nicht unfehlbar ist, stellen die Bemühungen unserer Abonnenten und anderer Fürsprecher Israels hingegen sicher, dass die Leserbriefseiten und Kommentare von Medienorganisationen nicht die alleinige Domäne der Anti-Israel-Truppe sind.

Lesen, Schreiben und Raketen; Videobericht

honestreporting.com Media BackSpin, 4. September 2007

NRG mit einem Video des Raketenangriffs gestern auf Sderot, als die Kinder auf dem Weg zur Schule waren.

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(Hat tip: Solomonia)

Jüdische Jugendliche = Islamische Terroristen?

honestreporting.com Communiqué, 4. September 2007

Jüdische Heranwachsende in Großbritannien, die an Freiwilligenprogrammen der IDF teilnehmen, werden in unzulässiger Weise mit muslimischen Jugendlichen in Terrorausbildungslagern gleichgesetzt.

Im multikulturellen Großbritannien von heute wird akzeptiert, dass die verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppierungen enge Verbindungen zu ihren Herkunftsländern überall auf der Welt unterhalten.

Es sei denn, Sie sind jüdisch, wie es der New Statesman sieht.

Im Januar 2002 veröffentlichte New Statesman das berüchtigte Titelbild “Koschere Verschwörung“, das einen Davidstern zeigt, der auf dem Union Jack thront - und wofür der Redakteur nach lauten Protesten sich gezwungen sah zu entschuldigen. Die Titelstory selbst versuchte, die in Großbritannien lebenden jüdischen Unterstützer Israels als Teilnehmer einer ruchlosen Agenda zu zeichnen, die mit ihrer britischen Identität unvereinbar sei.

Nun scheint der New Statesman auch die Motivationen der legitimen Verbindungen jüdischer Jugendverbände zu Israel anzuzweifeln.

In einem Artikel über jüdische Schulabgänger, die zwischen Schulende und Studienbeginn an einem Freiwilligenprogramm der IDF in Israel teilnehmen, zeigt Matthew Holehouse bereits im ersten Absatz, wohin er seine Leser zu lenken gedenkt, wenn er auf diverse Sommerlager der Gruppe Islamischer Jihad hinweist, in denen man heranwachsenden Palästinensern beibringt, wie man Selbstmordbomber wird.

Damit werden die besten Voraussetzungen geschaffen, dass der Leser eine moralische Gleichwertigkeit zwischen den Aktivitäten jüdischer und palästinensischer Jugendlicher sieht.

Holehouse lässt es an grundlegenden Zusammenhängen fehlen, was seine Unkenntnis von der Bedeutung der jüdischen Freiwilligenprogramme demonstriert, die zu einem kürzeren Teil aus Lehrgängen mit simuliertem Training bei den Streitkräften bestehen, um den Teilnehmern die Rolle der IDF innerhalb der Gesellschaft zu vermitteln.

Die überwiegende Zahl der israelischen Schulabsolventen wird zwei bis drei Jahre für den obligatorischen Wehrdienst zur IDF eingezogen - als Folge der existierenden Bedrohungen, die von angrenzenden Staaten ausgehen - und wegen des fortgesetzten Terrors der Palästinenser. Der Dienst beim israelischen Militär ist eine bedauerliche Notwendigkeit, die Bestandteil des Heranwachsens im jüdischen Staat und Schritt ins Erwachsenenleben ist - worauf israelische Eltern gerne verzichten würden, wenn ihr Land nicht einer Bedrohung ausgesetzt wäre.

Die primäre Bedeutung der Freiwilligenprogramme bei der IDF für die jüdischen Jugendlichen aus Großbritannien besteht schlicht und einfach darin, zu verstehen, wie ihre Altersgenossen in Israel leben und Kontakt mit ihnen aufzubauen, um so die engen Bindungen zwischen Israel und der jüdischen Diaspora zu stärken. Sie dienen sicher nicht dazu, britische Juden zu aktiven Soldaten oder Kämpfern in einem militärischen Konflikt im Nahen Osten auszubilden.

Es gibt keine moralische Gleichwertigkeit zwischen jüdischen Schulabsolventen, die an Freiwilligenprogrammen der IDF teilnehmen und muslimischen Jugendlichen, die ausnahmslos in militärische Ausbildungslager in Pakistan und im Nahen Osten geschickt werden, um zu lernen, wie man Terrorist wird.

Ein subtiles Vorurteil offenbart Holehouse auch, wenn er behauptet, dass viele Teilnehmer der jüdischen Jugendverbände aus Privatschulen in Manchester und im Norden Londons kommen. Mit welchem abgesicherten Beleg stereotypisiert Holehouse Juden als wohlhabend?

Ist diese Aussage überhaupt relevant für den Artikel?

Holehouse macht sich dann daran, auf das Bild jüdischer Jugendbewegungen in Großbritannien einen Schatten zu werfen. Er behauptet, dass Marva [das Freiwilligenprogramm der IDF] demonstriere, wie einige Zionisten irrtümlich wieder dazu gekommen wären, ihre Gegner allein über die Definierung Israels wegen seines Militarismus nachzuahmen.

Eine gründlichere Betrachtung des Modells zur einjährigen Pause nach dem Schulabschluss von jüdischen Jugendverbänden, die an Marva teilnehmen, würde aufzeigen, dass dies nur einen kleinen Teil des Jahresprogramms ausmacht, das auch die Zeit mit einschließt, die man mit anderen Freiwilligenaktivitäten und Studienreisen in Israel verbringt.

Holehouse entstellt die Federation of Zionist Youth als "einen der größten und unnachgiebigsten Veranstalter von Freiwilligenjahren", trotz der Tatsache, dass die Weltanschauung der Federation of Zionist Youth politisch und religiös pluralistisch ist.

Versucht Holehouse, "Zionist" und "unnachgiebig" mit derselben Methode gleichzusetzen, wie die Verleumder Israels den Begriff "Zionist" als Beleidigung verwenden?

Der Beitrag im New Statesman endet mit dieser schockierenden Frage:

“Wenn dies britische 19-jährige Muslime wären, die mit Maschinengewehren feuerten und Anschlagsszenarien in Pakistan oder im Jemen übten, hätten wir sie dann nicht alle am Flughafen eingesperrt?

Die traurige Realität ist, dass Terrorangriffe auf britischem Boden schon mit Beteiligung britischer Muslime, die im Ausland ausgebildet worden waren, stattgefunden haben.

Jüdische Jugendliche in Großbritannien werden weder zu bewaffneten Versionen der Pfadfinder ausgebildet, noch werden sie dazu trainiert, in Großbritannien oder sonst wo Terroranschläge auszuführen.

Die peinliche moralische Gleichwertigkeit des New Statesman ist verachtenswert und verantwortungslos.

Bitte schicken Sie Ihre geschätzten Kommentare an letters@newstatesman.co.uk [In Englisch]