Medien BackSpin

Falsches zu Nahost richtig gestellt

Dura-Reportage unglaubwürdig

honestreporting Media BackSpin, 15. November 2007

Zusammen mit Take-A-Pen berichtete HonestReporting gestern Nachmittag über die Anhörung in Frankreich, wo das Filmrohmaterial zum Fall Mohammed Dura zum ersten Mal öffentlich gezeigt wurde. Alain Benjamin von HonestReporting/Take-A-Pen, der das Video in Gerichtssaal gesehen hat, informierte Redakteur Pesach Benson (Media BackSpin) telefonisch über den Verlauf des Verfahrens.

Was war im Filmrohmaterial zu sehen?

Wir können mit Bestimmtheit feststellen, dass niemand sagen kann, wer auf wen schoss. Charles Enderlin hat in Gerichtshof gesagt, dass die Palästinenser zuerst mit der Schießerei begonnen haben, aber letztendlich können wir nicht sagen, was an jenem Tag geschehen ist. Man kann nicht sagen, wer für was verantwortlich ist. Charles Enderlins Behauptung, die israelische Armee habe den Jungen getötet, ist komplett falsch. Er konnte lediglich sagen, dass der Junge getötet worden war - aber wir wissen nicht, von wem.

Es gab ein Gerangel darüber, wie viel Filmmaterial gezeigt werden würde. Wurde das komplette Video gezeigt?

Charles Enderlin hat 18 Minuten Filmmaterial eingereicht. Die Richterin hat ohne Beeinflussung der Anwälte Karsentys danach gefragt, was mit den 27 Minuten geschehen sei. Enderlin hat [für die Akten] erklärt, dass er Filmmaterial manipulieren musste, das für den Tag nicht relevant war. Er sagte, dass er das Filmmaterial mittels DVD für den Gerichtshof übertragen hat. Das sorgte für Überraschung im Gerichtssaal.

Also fragte die Richterin, ob irgendjemand, der von der Sache wusste, das Filmmaterial gesehen hätte. Luc Rosenzweig war anwesend, stand auf und sagte, dass er ein Band gesehen habe, dass mehr als 20 Minuten Länge hatte. Richard Landes erhob sich auch. Er hat das Filmmaterial in Enderlins Büro gesehen. Er sagte aus, dass der Timer mindestens 21 Minuten anzeigte. Die Richterin ließ grundsätzlich diese Frage auf sich beruhen, aber im Gerichtssaal verdichtete sich der unausgesprochene Verdacht, dass am Filmmaterial herumgepfuscht oder manipuliert worden war.

Nachdem die Anhörung endete - wie reagierten die Menschen auf das, was sie gesehen hatten?

Niemand glaubte, dass die Version von France 2 wahr sei. Einige Leute behaupteten, dass das Filmmaterial gestellt worden war. Andere denken, das Filmmaterial sei echt. Aber ohne Frage dachte niemand, dass irgendjemand gestorben war.

Gibt das Filmmaterial Karsenty Recht?

Jeder, der aus dem Gerichtssaal kam, sagte „Wow“ und sprach darüber, ob Karsenty gegen France 2 Maßnahmen ergreifen würde, weil sie versucht hatten, das Gericht anzulügen. Er kann auf den Urteilsspruch warten oder kann France 2 wegen Herumpfuschens am Band verklagen. Er hat einige Optionen. Ganz offensichtlich hat die Version von France 2 die Richterin nicht überzeugt. Der Urteilsspruch wird für den 27. Februar 2008 erwartet.

Wie regierten die Leute von France 2 nach der Anhörung?

France 2 verließ sofort den Gerichtssaal. Sie eilten raus und weg waren sie. Sie wollten mit niemandem sprechen.

Einige Leute machten sich Sorgen, dass die Wiederaufnahme des Themas Israels Image beschädigen würde.

Es gibt absolut keinen Grund, sich darum jetzt Sorgen zu machen.

Wie war das Medienaufkommen?

Sehr groß. Vier oder fünf Fernsehteams waren anwesend, dazu 30 Journalisten von Fernsehen, Rundfunk und Printmedien. Nur ein Drittel der Journalisten und der Öffentlichkeit erhielt Einlass in den Gerichtssaal, um das Filmmaterial zu sehen. Wegen des Andrangs begann die Anhörung mit Verspätung. Sie kamen von überall her. Einmal sah ich, wie Philippe von einem Kuwaiter Fernsehteam interviewed wurde.

Was ist die wichtigste Lektion, dir wir heute gelernt haben?

Ein Mann ließ sich vier Jahre lang nicht unterkriegen. Es ist eine Lektion, was Durchhaltevermögen betrifft.

Israel sollte sich ein Vorbild an diesem Versuch nehmen, die Wahrheit zu verfolgen, statt die Angelegenheit schnell abzuhaken. Wenn Israels PR-Leute alle diese unterschiedlichen Sachen verfolgt hätten, die gezeigt haben, dass es nicht seine Schuld war, wären die Dinge anders gelaufen.

Die andere Lektion wirft ein Licht auf einen Prozess, der in der Region (Nahost) weit verbreitet ist. Die Menschen realisieren nicht, dass Palästinenser ihren Journalistenjob bekommen, weil sie mit der palästinensischen Sache fühlen. Sie sind nicht in der Lage, eine Agenda abzuarbeiten. Es liegt nun an den Nachrichtenagenturen, offen zu legen, dass sie Einheimische für die Fernsehberichterstattung beschäftigen, um Eilmeldungen zu senden.

Update: Sehen Sie sich Alain Benjamins Videobericht an.

Bernd Dahlenburg am 15.11.07 14:18

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