Medien BackSpin

Falsches zu Nahost richtig gestellt

Weltmedien + Nahost

Ironie des Tages

honestreporting Media BackSpin, 14. November 2007

Während wir darauf warten, wie sich das heutige Prozedere um das Video zu Mohammed Dura entwickelt, zitiert der Independent den Verwandten eines Kindes, das bei der Kundgebung am Montag in Gaza von der Hamas getötet worden war:

„Selbst die Israelis machen so etwas nicht“, sagte Ibrahims Onkel Dschihad Auda, 52, der zur Kundgebung hinzufügte: „Es war wie ein Fest, wie eine Hochzeit. Sie wissen, dass die Waffen töten können. Warum richten sie diese gegen ihre eigenen Leute?“

Subjektive Verhältnismäßigkeit

honestreporting Media BackSpin, 11. November 2007

Büroleiter Jeremy Bowen demonstriert, dass die Definition von “Verhältnismäßigkeit” wirklich subjektiv ist.

Er beweist, dass ein Reporter vor Ort - sagen wir einmal Beirut während des Krieges im letzten Jahr - zu keinem umfassenden Urteil in der Lage ist, wenn er nicht sehen kann, was anderswo passiert, wie der Norden Israels unter Katjuscha-Beschuss der Hisbollah.

BBC griff Dura-Prozess auf

honestreporting Media BackSpin, 8. November 2007

Die BBC griff die Berufungsverhandlung Philippe Karsentys auf.

Wir sind beeindruckt, dass a) ein so großer Nachrichtensender wie Beeb schließlich begann, über die Verhandlung zu berichten und b) seine Beschreibung des Videos über Mohammed Dura fair war und alle Aspekte behandelte.

Natan Sharansky äußert sich zum Dura-Video

honestreporting Media BackSpin, 7. November 2007

Natan Sharansky schaltet sich ein und sagt, warum sowohl das Video als auch Philippe Karsentys Berufungsverfahren von Bedeutung sind:

Es ist wichtig, festzuhalten, dass die al-Dura-Nachrichten die öffentliche Meinung im Westen tiefgreifend beeinflussten. Als ich von 2003 bis 2005 Minister für Diaspora-Angelegenheiten war, besuchte ich des Öfteren nordamerikanische Hochschulen. Ich habe hautnah mitbekommen, wie Mohammed al-Dura die Sichtweisen junger Leute geprägt hat, als sie begannen, die Ereignisse im Nahen Osten zu verfolgen. Für viele jüdische Studenten war der Vorfall ein Schandfleck, der in ihnen Zweifel an der Richtigkeit ihrer Unterstützung Israels aufkommen ließ. Für antiisraelisch eingestellte Studenten hat die Geschichte ihre Auffassung vom Zionismus als angeborener „rassistischer“ Natur bestätigt und wurde instrumentalisiert, um Gleichgesinnte auf dem Campus anzuwerben. . . .

Tragischerweise gibt es keinen Weg, den Schaden zu reparieren, der dem internationalen Ansehen Israels durch France 2 zugefügt worden ist -; noch weniger bringt es die israelischen und jüdischen Opfer wieder zurück, die ihr Leben durch Racheaktionen verloren. Es ist jedoch möglich, durch Schaffung eines Präzedenzfalls für Medienverantwortlichkeit und die Aushändigung des 27 Minuten umfassenden Video-Rohmaterials von Talal Abu Rahmeh
verleumderische Nachrichtenberichterstattung abzuschrecken - und die Gewalt, die oft damit einhergeht.

Dazu passend: Gewitterwolken über Paris

Zur Beschaffenheit der jüdischen Medienverschwörung

honestreporting Media BackSpin, 7. November 2007

Carol Gould ist nicht davon überzeugt, dass die großen Medienkonzerne von Juden beherrscht werden:

Wenn man zustimmt, dass die Sulzbergers Mitglieder einer Episkopalkirche sind, kann man sie ruhig als „jüdische“ Kontrolleure der New York Times streichen. Die Knight Ridder Group kontrolliert viele Zeitungen. Betty Scripps, treue Anhängerin meiner örtlichen Gesellschaft der Washington National Opera, ist keine wirkliche Hadassah-Lady. Der mächtige Scripps Howard-Konzern, der vor einem Jahrhundert neben der Cowles-Dynastie zu Ruhm gelangte, kontrolliert immer noch zahlreiche stille Publikationen. Namen wie Gannett, Robinson und McClatchey beherrschen weitere Medienkonzerne, zusammen mit Sumner Redstone von Viacom und Boisfueillet Jones von der Washington Post. Dann gibt es noch das Southern Tennant-Bryan-Imperium. Fügen Sie zu dieser Mischung Ted Turner, Murdoch, Dow-Jones, Luce und Hearst hinzu und ich sehe keine jüdische Verschwörung.

Katie Couric, Brian William und Charles Gibson sind die drei Ancor-Persönlichkeiten und Schwergewichte bei den Nachrichtensendungen und ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemals in meinem Leben ein Jude auf diesen Stühlen gesessen hätte. Peter Jennings war grimmiger Kritiker israelischer Politik und verbreitete dies auch in seinen . Über Israel wird im amerikanischen Fernsehen weit weniger berichtet als in den britischen Medien, aber wenn es oft kritisch betrachtet wird, dann von besonders CNN.

Die Meinungsmacher in den USA während der Hauptsendezeit sind Nichtjuden: Gwyn Ifyl, Stephen Colbert, Lou Dobbs, Chris Matthews, Bill Moyers, Bill O’Reilly und Keith Olbermann, der aus dem deutschen Luthertum stammt. Außer gelegentlichen Auftritten von Bill Kristol wird eine Unmenge von Radio- und Fernsehauftritten von christlichen Kommentatoren bestritten.

Wir sollten nun mit unserer Medienverschwörung beginnen.

(Hat tip: Elder of Ziyon)
________

*Hadassah

Walt & Mearsheimer geoutet

honestreporting Media BackSpin, 5. November 2007

Walter Russell Meads Buchrezension für Foreign Affairs outet Walt & Mearsheimer als Mitglieder der heimtückischen Pro-Israel Lobby:

Letzten Endes scheinen Mearsheimer und Walt nicht genau zu wissen, wer zu dieser amöbischen, verschlingenden Blase gehört, die sie Lobby nennen, und wer nicht. Nehmen wir sie selbst. Sie beschreiben sich als pro-israelisch, indem sie an das Existenzrecht des Staates glauben. Sie bewundern seine Errungenschaften und wünschen seinen Bürgern Sicherheit und Wohlstand. Sie erklären kategorisch, dass die Vereinigten Staaten Israel „unterstützen sollten, wenn sein Überleben in Gefahr ist“. Sie argumentieren oft, dass die gegenwärtige israelische Politik und die US-Unterstützung kontraproduktiv sind - das heißt, Washington sollte seine Hilfe für Israel nicht davon abhängig machen, weil die zwei Staaten nicht gleiche Interessen teilen, sondern eben weil sie diese Interessen teilen. Unterstützung mit Vorbehalt, so Mearsheimer und Walt, wird Israel dazu führen, so zu handeln, dass sein Überleben gesichert ist, wovon auch die Vereinigten Staaten profitieren. Und sie sorgen sich so leidenschaftlich darum, dass sie ein umfangreiches und umstrittenes Buch zum Thema geschrieben haben. „Wir sind sicher nicht Teil der Israel-Lobby“, sagen sie. Aber ist das angesichts ihrer eigenen Definition wirklich wahr?

Es sind immer die Leute, die du zuletzt verdächtigst.

Machtspiele

honestreporting Media BackSpin, 4. November 2007

Faszinierender Kommentar in der Washington Post zur Frage, ob die amerikanischen Juden zu viel Macht besitzen. Geschrieben von einer Harvard-Professorin* für vergleichende Literatur - und Jiddisch.
________

*Update:Ruth Wisses Kommentar wurde zwischenzeitlich auf Castollux anmoderiert, übersetzt und eingestellt.

Fundamentale Überprüfung der Fakten

honestreporting Media BackSpin, 4. November 2007

Kompliment an AP für ihre altmodische Art, Fakten abzuchecken und Palästinenser sowie die NGO Gisha* dabei erwischt, wie diese versuchen, die Mainstream-Medien übers Ohr zu hauen:

"Gisha", eine Menschenrechtsgruppe, die sich für die Bewegungsfreiheit der Palästinenser einsetzt, übt Druck auf den Obersten Gerichtshof Israels aus, Studenten die Ausreise aus Gaza zu erlauben, damit diese ihr Studium im Ausland fortsetzen können. Die Gruppe, darunter der umstrittene Yaser Betar, legte dem Gerichtshof ein Dokument der University of North Texas vor, das die Immatrikulation für ein Promotionsstudium bestätigt.

Aber nachdem AP der Universität das Dokument zugeschickt hatte, erwiderte eine Sprecherin, dass das Dokument gefälscht sei und Betar „zurzeit nicht an der Universität immatrikuliert ist“.

Wie ein ironischer Redakteur mir einmal sagte, als ich noch Praktikant war:

„Wenn Ihnen Ihre Mutter sagt, dass sie Sie liebt, überprüfen Sie es - und lassen Sie es sich von ihrem Vater bestätigen“.

_________

*Mehr zu Gisha und anderen NGOs [in Deutsch] hier.

Vom Horror übermäßigen Kaffeekonsums

honestreporting Media BackSpin, 1. November 2007

Über seinen Guardian gebeugt schreibt ein mit Koffein voll gepumpter, schwafelnder und verärgerter Seumas Milne und beschuldigt Israel für alles, was in Nahost falsch läuft. Dürfen wir ihn auf Kaffeeentzug setzen?

Für eine nüchterne Einschätzung der Entwicklungen empfehlen wir Ihnen den Kommentar Jon Altermans von der Financial Times, der mit Sicherheit koffeinfreien Kaffee trinkt.

Tutu auf Werbetour

honestreporting Media BackSpin, 30. Oktober 2007

Während seines Besuchs in den Vereinigten Staaten nutzte Erzbischof Desmond Tutu die Gelegenheit, bei der Boston Globe zum israelisch-palästinensischen Konflikt einen Gastkommentar zu schreiben. Wie begründet ist seine Logik, wenn er Israel mit dem ehemaligen Apartheidstaat-Staat Südafrika vergleicht?

Einige Leute werden wütend, wenn zwischen dem israelisch-palästinensischen Konflikt und dem, was in Südafrika geschah, Vergleiche gezogen werden. Es gibt Unterschiede zwischen den zwei Situationen, aber ein Vergleich muss nicht in jeder Hinsicht exakt sein, wenn man sich Klarheit darüber verschaffen will, um was es geht. Außerdem scheint für jene von uns, die den entmenschlichenden Horror der Apartheid-Epoche durchlebt haben, der Vergleich nicht nur geeignet, er ist auch notwendig. Er ist notwendig, sofern wir es sind, die beharrlich in der Hoffnung durchhalten, dass sich Dinge ändern können.

Diese Vergleiche sind nicht sorgfältig genug.