Medien BackSpin

Falsches zu Nahost richtig gestellt

Europa + Nahost

Irische Lektionen, Teil 2

honestreporting Media BackSpin, 25. Oktober 2007

Lesen Sie bitte Lord David Trimbles [Abbildung] Kommentar in der heutigen Ausgabe des Guardian, der an unseren Beitrag von gestern anknüpft:

"Aber Abkommen werden Entgegenkommen erfordern, nicht Sieg einer Seite über die andere. Noch weniger bedeuten sie „Vernichtung“ des Anderen. Wie steht die Hamas dazu? Wird sie eine Zweistaaten-Lösung akzeptieren? Wird sie die Gewalt einstellen? Dies sind plausible Fragen, die einer Antwort bedürfen. Die Unfähigkeit der Hamas, darauf befriedigend und ausreichend zu antworten, zeigt, dass es falsch wäre, sie [in Friedensverhandlungen] mit einzubeziehen. Der IRA in den frühen 1990er-Jahren waren diese Vorbedingungen klar, und ebenso sind sie es heute für die Hamas: Gewaltverzicht, Anerkennung Israels und Einhaltung vorheriger Friedensabkommen."

Irische Lektionen

honestreporting Media BackSpin, 24. Oktober 2007

UTV berichtet, dass Lord Trimble, dem der irische Friedensprozess nicht fremd ist, die Vorstellung entlarvte, die Hamas in Nahost-Friedensgespräche einzubinden. Melanie Phillips kommentiert:

"Viel wichtiger ist jedoch, dass, so weit die Briten davon entfernt waren, auf einmal der IRA die Hand zu reichen, es die IRA war, die der britischen Regierung auf einmal sagte: "Der Krieg ist vorbei", und darum bat, in den politischen Prozess eingebunden zu werden. Und das, weil der Krieg, wie Trimble sagt, in einer Schachmattposition angekommen war. Das steht in völligem Kontrast zur Hamas, die Israel fortwährend mit Raketen angreift und Versuche zu Selbstmordattentaten startet. Wie Trimble sagt, hat die britische Regierung schon 1972 mit der IRA Gespräche geführt, als sie sich mit ihr noch im Kriegszustand befand. Das Ergebnis war verheerend und hat nur den Glauben der IRA gestärkt, dass sie alles haben kann."

Dazu passend: Das Modell „Sinn Fein“

Großbritannien: "Die Israel Lobby" im Anmarsch

honestreporting Communiqué, 15. Oktober 2007

Walt & Mearsheimer auf Promotionstour in Großbritannien

„Die Israel Lobby“, eine Abhandlung der US- Professoren Stephen Walt und John Mearsheimer, wurde erstmals im März 2006 im London Review of Books erwähnt. Trotz der Kontroversen, die das Papier ebenso entfachte wie Walt und Mearsheimers Behauptung, dass ihre Stimmen zum Schweigen gebracht wurden, ist „Die Israel Lobby“ nun in Buchform herausgegeben worden.

Der ursprüngliche Artikel wurde allgemein dafür kritisiert, wegen seiner faktischen Entstellungen und Anspielungen auf eine jüdische Verschwörung in den USA wissenschaftliche Standards nicht zu erfüllen.

Das Vereinigte Königreich ist ein besonders aufnahmefähiger Markt für jene, die Israel anschwärzen wollen und das falsche Gerücht mächtiger jüdischer Einflussnahme auf die US-Außenpolitik verbreiten. Folgerichtig kehren W&M mit einer Buchpräsentation zum Ausgangspunkt zurück. Ihre Termine im November: London School of Economics and Political Science; SOAS (School of Oriental and African Studies), London; Chatham House, London; St. Antonys College in Oxford und das britische Oberhaus, wo sie Gast der parteiübergreifenden Parlamentariergruppe für Global Security and Non-Proliferation sein werden.

Das Buch musste in den USA sehr viel harte Kritik einstecken:

Tim Rutten, LA Times*: „Jeder, der mit der qualvollen Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts vertraut ist, wird Mühe haben, die Geschichte anzuerkennen, die Walt und Mearsheimer vorführen. Jedes uralte Gräuelmärchen über Israel wird hervorgekramt und die lange Geschichte des palästinensischen Terrorismus wird als Reaktion auf israelische Unterdrückung wiedergegeben. Das Scheitern jeglicher Friedensverhandlungen wird der israelischen Verschlagenheit unter dem Schild der amerikanischen Israel-Lobby zugeschrieben.

Nichts ist zu lesen über palästinensische Korruption, Spaltung und Doppelzüngigkeit oder gar die Unfähigkeit dieser unglücklichen Leute, einen zuverlässigen weltlichen Partner aufzubieten, mit dem Friedensverhandlungen geführt werden könnten.

Zeitweise widersprechen sich die Autoren, die anführen - eigentlich außergewöhnlich - dass einerseits die USA von einem nuklear bewaffneten Iran nichts zu befürchten haben, und zum anderen, dass die gefährliche Aussicht auf einen atomar hochgerüsteten Iran durch fehlerhaftes Verhalten der Israel-Lobby entstand. In ähnlicher Weise schreiben sie, Al-Qaida würde seine Schwerter in Pflugschare umschmieden und Osama Bin Laden würde neben den Lämmern liegen, wenn nur die Vereinigten Staaten sich von ihrer Leibeigenschaft unter Israel befreien und mit Zwang einen palästinensischen Staat durchsetzten.

Alles Quatsch: Wenn - wie vor langer Zeit schon vorgeschlagen wurde - der jüdische Staat in Uganda gegründet worden wäre, würden die Twin Towers dennoch in Schutt und Asche liegen.“

David Remnick, The New Yorker: „Wo viele Beschreibungen sich mit Osama Bin Ladens ursächlichem Groll wegen der amerikanischen Unterstützung "Ungläubiger" in autoritären islamischen Regimes auseinandersetzen, erklären Walt und Mearsheimer seine [Osama bin Ladens; die Redaktion] primäre Sorge zu der ihren: Amerikas Widerwillen, Israel zu drängen, die Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens zu beenden. (Es spielt wohl keine Rolle, dass Israel und die Palästinenser sich 1993 in Friedensverhandlungen befanden, dem Jahr, als zum ersten Mal ein Anschlag auf das World Trade Center verübt wurde, oder dass während der Friedensverhandlungen in Camp David im Jahr 2000 Bin Ladens Piloten in Florida trainierten).

Walt und Mearsheimer inszenieren das Gefühl, dass, wenn Israelis und Palästinenser sich einigen, Osama bin Laden wieder in seine familieneigene Baufirma zurückkehren würde. Es ist eine Geschichte, die jede grelle Meldung von israelischer Grausamkeit als unbestreitbare Tatsache erzählt, aber das Aufkommen der Fatah und des palästinensischen Terrorismus vor 1967 völlig ausblendet; dazu die Olympischen Spiele in München; den Schwarzen September; unzählige Selbstmordattentate und andere spektakuläre Ereignisse“.

Mehr Rezensionen hier

John Mearsheimer tauchte auch in einer satirischen Nachrichtensendung auf, bei der er der Angeschmierte war.
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Schuldzuweisungsspiele der EU

honestreporting Media BackSpin, 9. Oktober 2007

Bis zum Gipfel in Annapolis* vergehen noch einige Wochen, aber ein EU-Gesandter legt sich schon darauf fest, Israel an beinahe allem die Schuld zu geben, was im Nahen Osten schief läuft, falls der Gipfel fehlschlagen sollte. Die Jerusalem Post zitiert Marc Otte**:

„Der Schaden ist noch größer als im Jahr 2000“, sagte Otte Reportern in Brüssel.

Es gäbe in Nahen Osten jetzt mehr destabilisierende Elemente als vor sieben Jahren, bemerkte er.

Unter denen, die er aufzählte, war die Bedrohung durch einen nuklear bewaffneten Iran, die Gefahr, dass der Irak auseinander fallen würde, die Erstarkung der Hisbollah im Libanon und die Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen. . . .

Die Hauptfrage, den Gipfel in Annapolis betreffend, war nicht, warum es diesmal ein Ergebnis geben sollte, während man vorher scheiterte, sondern eher “Was verlieren wir, wenn der Gipfel scheitert?, fragte er.

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*Am 26. November im US-Bundesstaat Maryland
** Marc Otte

Ursache und Wirkung

honestreporting.com Media BackSpin, 2. September 2007

Ein britischer Zionistenverband hat den Vortrag des Haaretz-Kolumnisten Danny Rubinstein abgesagt, nachdem dieser auf einer UN-Konferenz in Brüssel Israel einen „Apartheidstaat“ genannt hatte. Hier können Sie nachlesen wie die JTC * ihn zitiert:

„Heute ist Israel ein Apartheidstaat mit unterschiedlichem Status für verschiedene Gemeinschaften“, sagte Rubinstein Beobachtern des Ereignisses zufolge . . .
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*Jewish Telegraphic Agency

Journalistengewerkschaft verschrottet Israel-Boykott

honestreporting.com Media BackSpin, 11. Juli 2007

Die Nationale Journistengewerkschaft NUJ hat ihren Israel-Boykott verschrottet. Der Guardian schreibt:

Der Nationale Exekutivrat (NEC) der NUJ traf die Entscheidung und rief die Mitglieder auf, sich stattdessen gemeinsam für die “erstrangigen, zentralen Themen zur Verbesserung der Bedingungen am Arbeitsplatz“ einzusetzen.

Warum brauchte die NUJ so lange, um aufzuwachen? Alan Johnstons Freilassung aus der Geiselhaft machte den peinlichen Boykott überflüssig. Lesen Sie hier nach, wie sich die beiden Fragen verbinden.

EU: Brandbekämpfung durch Resolutionen

honestreporting.com Media BackSpin, 26. April 2007

Die EU verabschiedete eine Dringlichkeitsresolution, in der sie Alan Johnstons Freilassung fordert.

Eine bewundernswerte Geste, wenn auch nur mit Symbolcharakter.

Wie wäre es mit einer Resolution zur Unterstützung eines weiteren EU-Bürgers, der in Gaza gefangen gehalten wird?

Befangenheit und Boykottaufrufe

honestreporting.com Media BackSpin, 23. Januar 2007

Die Norway Post berichtet, dass die Importe aus Israel um 15 Prozent zunahmen - trotz eines Boykotts, der durch die Sozialistische Linkspartei des Landes angeführt wurde.

Könnten die norwegischen Medien etwas damit zu tun haben? Als eine norwegische Provinz im Jahr 2005 dafür stimmte, israelische Produkte zu boykottieren, schrieb Journalist Kgell Arild Nilsin dies einseitiger Berichterstattung zu. Sind irgendwelche Leser in Norwegen an einem Kommentar interessiert?

(Hat tip: Daily Alert)

UPDATE, 23. Januar: Der norwegische Blogger Jan Haugland von Secular Blasphemy kommentiert:

Diese Voreingenommenheit hat zweifellos zur Nachhall-Mentalität beigetragen, in der die Sozialisten glaubten, sie würde schon dafür sorgen, dass die Menschen mitziehen; außerdem würde die Kampagne zumindest ein paar Lippenbekenntnisse einholen. Es ist einfach schwer, alle und auf Dauer zu täuschen.

(Hat tip: E-Mail von Soccer Dad)

Karsenty-Urteil übersetzt

honestreporting.com Media BackSpin, 9. November 2006

Richard Landes übersetzte die Entscheidung des Richters im Fall France2 und Charles Enderlin gegen Philippe Karsenty ins Englische:

Es war unzweifelhaft legitim, dass Philippe Karsenty das Ereignis in Frage stellte, das in der ganzen Welt solch große Medienwirkung hatte, auch Charles Enderlins Kommentar der Bilder „unter Feuer“ kritisierte, die von France2 am 30. September 2000 gesendet wurden. Indem er die Theorie als seine eigene übernahm, dass Mohammed al-Duras Tod in den Armen seines Vaters für Propagandazwecke gestellt war, ohne die professionelle Distanz zu wahren, und auch seine eigenen Quellen nicht kritisch betrachtete, erfüllte Karsenty die Verlässlichkeit nicht, die von einem Professionellen im Bereich der Information erwartet wird.

Er behauptete vier Jahre nach der Tatsache, er habe Beweise für die von ihm gemachten Beschuldigungen; nichts davon war neu, das Meiste nicht verlässlich und alles entstammt derselben einsamen Quelle, die keine offizielle israelische Behörde jemals auch nur ansatzweise in Betracht zog; und indem er, gegründet auf all das, behauptete, dass es eine „Fälschung“, ein „Theater“, eine „Täuschung“ gegeben habe, ließ der Beschuldigte das elementarste Gefühl für Vorsicht fallen.

Lesen Sie das gesamte Urteil auf dem Blog von Landes, The Augean Stables [in Englisch].

Schutz für den vierten Stand

honestreporting.com Media BackSpin, 24. Oktober 2006

Philippe Karsenty ist nicht die einzige Person, die Kopfschmerzen wegen der französischen Medien und dem Justiz-Establishment hat. Frankreichs Oberster Gerichtshof verwarf die Gerichtsentscheidung eines untergeordneten Gerichts, dass ein Kommentar, der von Le Monde im Juni 2003 veröffentlicht worden war, Israel verleumdete (Lesen Sie hier eine Übersetzung des Artikels von Edgar Morin).

Im Mai 2005 verfügte ein Bezirksgericht in erster Instanz, dass Le Monde einen Widerruf drucken und eine symbolischen Geldstrafe von einem Euro bezahlen müsse. Aber die Irish Times berichtet, dass der Oberste Gerichtshof anders entschied:

„Richter müssen den beschuldigten Text in seinem Kontext analysieren", so der Urteilsspruch des Obersten Gerichtshofes. Indem es zwei Abschnitte von einem viel längeren Artikel isolierte, der die Meinung des Autors über ein in hohem Maße polemisches Thema ausdrückt, hatte das Versailler Gericht Artikel 10 der europäischen Konvention der Menschenrechte ebenso verletzt wie französisches Gesetz.

"Der Text zielte in Wirklichkeit auf die Politik der israelischen Regierung gegen die Palästinenser ab, und nicht Einzelpersonen oder Gruppen von Einzelpersonen wegen ihrer nationalen oder ethnischen Abstammung, ihrer Rasse oder Religion…." folgerte der Oberste Gerichtshof.

Die Richter des Obersten Gerichtshofs hielten sich an ein von den Befürwortern Morins eingebrachtes altes Argument, dass der Artikel " in einen Kontext gestellt werden muss."

Währenddessen beginnt der nächste Verleumdungsprozess von France 2 TV gegen Pierre Lurcat in dieser Woche....