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Falsches zu Nahost richtig gestellt

Großbritannien: "Die Israel Lobby" im Anmarsch

honestreporting Communiqué, 15. Oktober 2007

Walt & Mearsheimer auf Promotionstour in Großbritannien

„Die Israel Lobby“, eine Abhandlung der US- Professoren Stephen Walt und John Mearsheimer, wurde erstmals im März 2006 im London Review of Books erwähnt. Trotz der Kontroversen, die das Papier ebenso entfachte wie Walt und Mearsheimers Behauptung, dass ihre Stimmen zum Schweigen gebracht wurden, ist „Die Israel Lobby“ nun in Buchform herausgegeben worden.

Der ursprüngliche Artikel wurde allgemein dafür kritisiert, wegen seiner faktischen Entstellungen und Anspielungen auf eine jüdische Verschwörung in den USA wissenschaftliche Standards nicht zu erfüllen.

Das Vereinigte Königreich ist ein besonders aufnahmefähiger Markt für jene, die Israel anschwärzen wollen und das falsche Gerücht mächtiger jüdischer Einflussnahme auf die US-Außenpolitik verbreiten. Folgerichtig kehren W&M mit einer Buchpräsentation zum Ausgangspunkt zurück. Ihre Termine im November: London School of Economics and Political Science; SOAS (School of Oriental and African Studies), London; Chatham House, London; St. Antonys College in Oxford und das britische Oberhaus, wo sie Gast der parteiübergreifenden Parlamentariergruppe für Global Security and Non-Proliferation sein werden.

Das Buch musste in den USA sehr viel harte Kritik einstecken:

Tim Rutten, LA Times*: „Jeder, der mit der qualvollen Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts vertraut ist, wird Mühe haben, die Geschichte anzuerkennen, die Walt und Mearsheimer vorführen. Jedes uralte Gräuelmärchen über Israel wird hervorgekramt und die lange Geschichte des palästinensischen Terrorismus wird als Reaktion auf israelische Unterdrückung wiedergegeben. Das Scheitern jeglicher Friedensverhandlungen wird der israelischen Verschlagenheit unter dem Schild der amerikanischen Israel-Lobby zugeschrieben.

Nichts ist zu lesen über palästinensische Korruption, Spaltung und Doppelzüngigkeit oder gar die Unfähigkeit dieser unglücklichen Leute, einen zuverlässigen weltlichen Partner aufzubieten, mit dem Friedensverhandlungen geführt werden könnten.

Zeitweise widersprechen sich die Autoren, die anführen - eigentlich außergewöhnlich - dass einerseits die USA von einem nuklear bewaffneten Iran nichts zu befürchten haben, und zum anderen, dass die gefährliche Aussicht auf einen atomar hochgerüsteten Iran durch fehlerhaftes Verhalten der Israel-Lobby entstand. In ähnlicher Weise schreiben sie, Al-Qaida würde seine Schwerter in Pflugschare umschmieden und Osama Bin Laden würde neben den Lämmern liegen, wenn nur die Vereinigten Staaten sich von ihrer Leibeigenschaft unter Israel befreien und mit Zwang einen palästinensischen Staat durchsetzten.

Alles Quatsch: Wenn - wie vor langer Zeit schon vorgeschlagen wurde - der jüdische Staat in Uganda gegründet worden wäre, würden die Twin Towers dennoch in Schutt und Asche liegen.“

David Remnick, The New Yorker: „Wo viele Beschreibungen sich mit Osama Bin Ladens ursächlichem Groll wegen der amerikanischen Unterstützung "Ungläubiger" in autoritären islamischen Regimes auseinandersetzen, erklären Walt und Mearsheimer seine [Osama bin Ladens; die Redaktion] primäre Sorge zu der ihren: Amerikas Widerwillen, Israel zu drängen, die Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens zu beenden. (Es spielt wohl keine Rolle, dass Israel und die Palästinenser sich 1993 in Friedensverhandlungen befanden, dem Jahr, als zum ersten Mal ein Anschlag auf das World Trade Center verübt wurde, oder dass während der Friedensverhandlungen in Camp David im Jahr 2000 Bin Ladens Piloten in Florida trainierten).

Walt und Mearsheimer inszenieren das Gefühl, dass, wenn Israelis und Palästinenser sich einigen, Osama bin Laden wieder in seine familieneigene Baufirma zurückkehren würde. Es ist eine Geschichte, die jede grelle Meldung von israelischer Grausamkeit als unbestreitbare Tatsache erzählt, aber das Aufkommen der Fatah und des palästinensischen Terrorismus vor 1967 völlig ausblendet; dazu die Olympischen Spiele in München; den Schwarzen September; unzählige Selbstmordattentate und andere spektakuläre Ereignisse“.

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John Mearsheimer tauchte auch in einer satirischen Nachrichtensendung auf, bei der er der Angeschmierte war.
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Bernd Dahlenburg am 15.10.07 18:25

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